• Sabine Strunk

Oft sind es die kleinen Dinge und Schritte im Leben, die Großes bewirken

Aktualisiert: 2. Apr 2019

Familie und Arbeit in einer guten Balance zu vereinigen, ist oft alles andere als einfach – für Mütter und Väter gleichermaßen.




Ich arbeite seit langer Zeit in einem großen Unternehmen, davon etliche Jahre als Assistentin der kaufmännischen Geschäftsführung. Gerade diese Jahre in der Position haben mir gezeigt, wie hoch der Stresslevel sein kann, was gute Kommunikation bedeutet, was aber auch aus mangelnder entstehen kann und wie schwierig es manchmal ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.


Auf der einen Seite ist meine Vollzeittätigkeit, die oft mit großem Zeitdruck und Arbeitsauf- wand verbunden ist, auf der anderen Seite bin ich sehr gerne Mutter. Sie kennen vielleicht ebenfalls die Situation, wenn eine Anfrage bzw. ein Anruf bei ihnen landet, oft auch „gerne“ kurz vor Feierabend, und die Erledigung unbedingt noch heute geschehen muss. Der Blick auf die Uhr zeigt Ihnen, dass in 30 min die Kita schließt, Sie aber für die Aufgabe bei weitem länger brauchen. Was folgt, sind Anrufe beim Partner (wenn er denn in der Nähe arbeitet), Großeltern, Babysitter…, ob irgendjemand den Sprössling spontan abholen kann. Wenn man Glück hat, springt jemand ein – bis man mit der eigentlichen Arbeit beginnen kann, ist allerdings wieder eine geraume Zeit vergangen, die den Feierabend in noch weitere Ferne rücken lässt. Der Pulsanstieg ist in solchen Situationen oft garantiert.


Als ich vor 17 Jahren Mutter wurde, waren die Kita-Schließzeiten bei weitem noch nicht so komfortabel wie heute. Wir Vollzeitmütter waren eher die Exoten.

Aus dieser Not heraus habe ich mich, als meine Tochter 1 Jahr alt war, mit einigen Eltern meines Arbeitgebers zusammengeschlossen, und gemeinsam wurde die Idee geboren, eine Kita aufzubauen, deren Öffnungszeiten unseren Arbeitszeiten entsprechen. Denn wir saßen alle in demselben Boot: Wie kann ich Vollzeit arbeiten und mein Kind ist trotzdem bestens versorgt. Nach ca. 2 Jahren und viel Zusatzarbeit konnten wir die Pforte für 50 Kinder öffnen. Dieses Projekt, und die damit verbundene 2jährige Vorstandstätigkeit, war und ist eine große Bereicherung in meinem Leben. Ich konnte Erfahrungen sammeln, die ich ansonsten nicht gemacht hätte. Nichts desto trotz war der Spagat zwischen Familie und Beruf nicht leicht und dies in einer guten Balance zu vereinigen, oft alles andere als einfach – für Mütter und Väter gleichermaßen. Heute vielleicht etwas besser als zu meiner Zeit, aber die „Last Minute“ Anfragen bzw. Anrufe wird es weiterhin geben und den damit einhergehenden Stressfaktor, den diese auslösen können.


Ist man schlussendlich gut durch die Kita-Zeit gesteuert, kommt als nächstes die Schule, dann evtl. Studium. Hier konnte ich ebenfalls erleben, dass es noch vielfältigere Thematiken gibt, wo man sich fast wieder die guten, alten Kita-Zeiten herbeiwünscht. Was war es doch schön, als ich mich in Krisenfällen „nur“ um Abhol- und Betreuungsersatz kümmern musste. Die gab es in der Grundschule zwar immer noch, wenn Unterrichtsstunden ausfielen, aber mit den Themen Konzentration, Motivation, Lernstress, Prüfungsängste musste ich mich vorher nicht beschäftigen. Das stellt einen dann vor andere Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Aber eines ist - Gott sei Dank - gewiss: Irgendwann ist selbst die längste Schul- und Lernzeit vorbei. Dann werden unsere Kinder flügge und das Haus leert sich. Und damit können wir uns wieder ganz uns selbst widmen, unsere wiedergewonnene "Freiheit" genießen. Oder etwa doch nicht? Ich erinnere mich da dunkel an einen Artikel über Eltern, deren Kinder aus dem Nest fliegen und die dann gar nicht wissen, was sie mit sich selbst anfangen sollen. Aber das ist eine andere Geschichte...



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